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 Graupner 18.05.2012 
 
Bergonzoni R-1
1:8 Verbrenner Off Road


Lange war es still um den im italienischen Modena beheimateten R/C-Car Hersteller Bergonzoni, er schien in den letzten Jahren gänzlich in der Versenkung verschwunden, zumindest in der deutschen R/C-Car Szene war so gut wie nichts mehr von ihm zu hören.
Jetzt allerdings hat sich Graupner des italienischen Herstellers angenommen und importiert künftig Artikel von Bergonzoni. Unter dem Slogan „Back in Racing“ betritt Graupner aktuell mit dem Offroad-Verbrenner Buggy im Maßstab 1:8, dem Bergonzoni R-1 die Szene.


Baukasten

Es handelt sich beim R-1 um einen reinen Baukasten, welcher auf den Wettbewerbsfahrer zugeschnitten zu sein scheint. Darin befinden sich nämlich außer den Einzelteilen für das rolling Chassis, der Chassisplatte selbst und der glasklaren Lexankarosse keine weiteren Komponenten.
Reifen und Felgen sind nicht enthalten, Motor, Resorohr sowie die komplette Elektronik sind ebenfalls nicht Gegenstand des reinen Baukastens, da der Wettbewerbsfahrer diese Komponenten in der Regel nach seinen Vorgaben und Vorlieben bzw. nach dem Reglement, welches für ihn maßgeblich ist, einsetzt.
Leider vermisst man auch die beim Zusammenbau wichtigen Betriebsstoffe wie Stoßdämpferöle und verschiedene Diff-Fette. Man ist in diesem Falle auf die eigenen Vorräte aus dem Hobbykeller angewiesen.
Auch bei den Viskositäten tappt man zunächst im Dunkeln, bis man irgendwann einmal die winzigen Angaben hierüber mit Hilfe einer Lupe in der Bauanleitung gefunden hat.

Montage

Die Einzelteile sind in sage und schreibe 18 Beutel aufgeteilt. Genau so viele Baustufen finden sich auch in der relativ kleinen, im DIN A5 Format gehaltenen Bauanleitung.
Texte und Bezeichnungen gibt es nur spärlich, und diese auch nur in Englisch und Italienisch. Montagehinweise sind so gut wie gar nicht vorhanden. Aber da auf den winzigen SW-Zeichnungen sowieso nicht viel zu erkennen ist, kann man sich beim Zusammenbau besser auf seinen Instinkt verlassen.
Das dürfte aber für den erfahrenen Racer kein Problem sein, man arbeitet sich einfach von Beutel 1 bis Beutel 18 vor und sollte dann das als Ergebnis das rolling Chassis vor sich stehen haben. Für einen Anfänger oder Einsteiger hingegen dürfte sich eine Wand mit Problemen auftürmen.
So ist eben „the italian way of life“……

Differenziale

Man könnte meinen, auch Graupner als Importeur hegt Skepsis in einigen Bereichen wie z.B. der Fertigungsgenauigkeit der Differenziale, denn hierfür liegt ein deutsches DIN A4 Blatt, die „ergänzende Bauanleitung zum Bau der Differentiale des Bergonzoni R-1“ bei.
Bevor diese allerdings peinlichst genau befolgt werden konnte, waren Nacharbeiten nötig. Einer der drei Differenzial-Abdeckungen hatte eine so enge Bohrung, dass keiner der verfügbaren Abtriebe sich durchstecken ließ. Für den Anfänger wäre hier bereits Ende gewesen. Ein Griff zur passenden Reibahle, welche aber eher nicht in einer Modellbau-Werkstatt verfügbar ist, löste das Problem dann schließlich und der Abtrieb ließ sich durchstecken.
Nach erfolgreichem Zusammenbau wurden die Diffs wieder geöffnet, weil noch Öl eingefüllt werden musste. Vorne ist 15000er, hinten 5000er und für die Mitte 10000er Öl vorgesehen. Da aber nichts beilag, wurde einfach auf Eigenbestände zurückgegriffen, nämlich vorne und Mitte 20000er und hinten 5000er Silikonöl.

Vorderachskonstruktion

Nachdem dieses eher anspruchsvolle Kapitel bewältigt war, konnte der Bau der kompletten Vorderachskonstruktion in Angriff genommen werden. Man bedient sich dazu des Inhaltes der Beutel 2, 3 und 4 in dieser Reihenfolge.
Der Aufbau ist klassisch: Das Diff wird in die beiden Hälften für das vordere Getriebegehäuse mit beiden Kugellagern eingebaut. Dabei ist auf eine sehr sorgfältige Ausdistanzierung mit Hilfe der beigefügten Shims zu achten, sonst läuft die Sache nicht rund und hakt.
Bei dieser Gelegenheit wird die obere Lenkabdeckung aus Aluminium gleich mit angebaut, genau wie die vordere Stoßdämpferbrücke. Diese ist ebenfalls aus poliertem Aluminium gefertigt, allerdings in 5 mm Stärke. Pro Dämpfer kann man sich hier zwischen 4 Befestigungspunkten entscheiden.
Die Schwingen und Lenkhebel sind als Pivot-Ball Aufhängung ausgeführt, im Verbrenner-Sektor eine weit verbreitete Sache. Alle Teile bestehen aus einem glatten Kunststoff, welcher sich sehr fest anfühlt.
Die Schwingen haben relativ große Dimensionen, hierdurch sind lange Federwege zu realisieren. Unten sind zudem Downstopps vorhanden, durch welche der Ausfederweg begrenzt werden kann.

Als Kraftübertragung von den Diffabtrieben zu den Rädern hat man Kardans vorgesehen. Allerdings glitten die Kardanstifte beim vorherigen Ausprobieren nur sehr hakelig in den Slots hin und her. Mit Hilfe einer Schlüsselfeile wurde hier durch kurze Bearbeitung der Slots Abhilfe geschaffen.
Der gesamte Antriebsstrang ist kugelgelagert, jedoch sind die Lager herkömmlich gedichtet, wogegen eigentlich im Offroad-Rennsport heutzutage Teflon-Dichtlippen sich als weitaus effektiver erwiesen haben. Zur Verringerung der Rollneigung ist für die Vorderachse ein Bügelstabi mit 2,0 mm Stärke serienmäßig vorgesehen.
Bei der Montage der linken oberen Schwinge ergab sich, dass die Bohrung für den Querlenkerstift derart eng war, dass dieser selbst mit Gewalt nicht hindurch passte. Somit musste erneut eine Reibahle eingesetzt werden, um das Problem zu beseitigen. Bei der Zähigkeit des Kunststoffes war das ein mühsames Unterfangen.

Hinterachse

Genau wie vorne ist auch bei der Montage der Hinterachse zu verfahren. Beim Ausdistanzieren des Diffs in der Gearbox ist hier ebenfalls mit größter Sorgfalt vorzugehen, damit später alles rund läuft.
Die Dämpferbrücke aus dem gleichen Material wie das vordere Pendant bietet allerdings hier pro Heckstoßdämpfer acht Aufhängungspunkte an.
Direkt an die Brücke wird auch die Halterung für den Heckspoiler geschraubt. Die dafür vorgesehene Aussparung harmonierte allerdings nicht mit der Halterung, so dass an dieser Nacharbeiten mit dem Cuttermesser erfolgen mussten. Das war aber schnell erledigt.
Ungewöhnlich ist die Konstruktion: Herkömmliche Heckspoiler verfügen meist über zwei Abstützungen in ca. 4 bis 5 cm Abstand. Beim R-1 hingegen gibt es lediglich eine zentrale Stütze in der Mitte. Obwohl diese über eine ausreichende Stärke verfügt, bleibt abzuwarten, wie es um die Standfestigkeit auch nach etlichen Überschlägen bestellt ist.

Die Materialbeschaffenheit der hinteren Schwingen und Achsschenkel entspricht genau den vorderen Gegenstücken. Zur Sturzeinstellung, welche vorne über die Pivot Balls erfolgt, gibt es hier jedoch stählerne Rechts/ Links-Gewinde.
Interessanterweise haben diese zum Verdrehen keinen Sechskant, sondern eine Bohrung. Steckt man einen dünnen Stift hindurch, kann das Gewinde unkompliziert verdreht werden.
Die gleichen Kardans wie vorne sind auch an der Hinterachse im Einsatz. Genau wie vorne waren hier die Slots der Diff-Abtriebe nachzufeilen, weil die Kardans darin hakelig liefen. Der hintere Stabi ist mit 2,5 mm geringfügig dicker als vorne.

Lenkung

Bei der Lenkung ist man konventionelle Wege gegangen. Sie unterscheidet sich nicht nennenswert von den heute üblichen Zwei-Pfosten-Ausführungen.
Die eine Seite ist voll kugelgelagert, wogegen die andere Seite mit dem integrierten Servosaver in einer Messinghülse läuft. Bleibt abzuwarten, wie es um den Verschleiß im Geländeeinsatz bestellt ist.
Eine Verstellung des Ackermann-Winkels ist nicht vorgesehen, ebenso lässt sich die Federkraft des Savers nicht verstellen.

Chassis

Das CNC-gefräste Chassis aus 3mm 7075 Aluminium stellt ein Highlight dar. Es ist sehr präzise gefertigt und dunkelgrau harteloxiert. Der charakteristische R-1 Schriftzug ist an der Oberseite eingefräst.
Die fertige Vorderachse wird auf das vorne leicht nach oben gekantete Chassis geschraubt. Auf dem Chassis gibt es eine Aussparung, die zur Aufnahme eines O-Ringes bestimmt ist. Dieser soll verhindern, dass Schmutz in die Gearbox gelangen kann. Deshalb sollte er unbedingt montiert werden, auch wenn dies eine fummelige Angelegenheit ist.
Die Montage der Hinterachse erfolgt in der gleichen Art und Weise wie vorne. Auch hier bitte nicht den O-Ring vergessen. Zu erwähnen ist noch, dass zur Abstützung beider Achsen gegen das Chassis dicke Aluminium-Stützen zum Einsatz kommen.

Der Abschluss an den Chassiskanten zur Karosserie hin wird durch zwei Plastikwannen sichergestellt. Da hier die Befestigungsbohrungen nicht genau mit denen der Chassisplatte übereinstimmen, wird die Geduld des Erbauers erneut auf die Probe gestellt.
Fast mittig auf dem Chassis befindet sich die Aufnahme für das Mitteldiff mit dem Hauptzahnrad. die beiden Diff-Abtriebe sind abgeflacht, da darauf die beiden Epoxy-Bremsscheiben der zentralen Bremse positioniert sind. Beide Bremsen sind später getrennt einstellbar.
Bei der Montage der beiden Antriebsknochen zwischen den Diffs ist gemäß dem winzigen Hinweis in der Bauanleitung in beide Abtriebe des Mitteldiffs ein kleines Stück Benzinschlauch zur Eliminierung des Spieles einzulegen, ansonsten könnte es später Geräusche verursachen.


RC-Box, Radioplatte und Tank

Im nächsten Bauschritt werden die RC-Box und die Radioplatte eingebaut. Die RC-Box ist wassergeschützt und bietet ausreichend Platz.
Direkt davor, zur Außenseite des Chassis ist der Platz für die Aufnahme des BEC-Akkus vorgesehen. Im Baukasten ist hierfür ein Halter enthalten, der mit zwei Clipsen an der RC-Box befestigt werden kann. Der Akku selbst ist stehend daran mit Tape zu befestigen und verrichtet dann relativ ungeschützt seinen Dienst.
Die Radioplatte aus poliertem 3 mm Aluminium dient ausschließlich zur Aufnahme der beiden Servos für Lenkung und Gas/ Bremse. Beide Servos werden in stehender Position installiert.
Links vorne im Fahrzeug wird auf zwei Pfosten der 125 ml grosse Tank mit integriertem Kraftstofffilter angebracht. Damit sich keine Schwingungen übertragen, ist er mit zwei O-Ringen gedämpft.
Zudem verfügt er über einen Spritzschutz neben dem Tankstutzen, damit bei Schnellbetankungen nicht das ganze Innenleben geflutet wird, wenn mal was daneben gehen sollte.

Dämpfer

Zur Komplettierung des rolling Chassis fehlen jetzt nur die Dämpfer. Diese liegen nicht im allgemeinen Trend der heutigen BigBore-Dämpfer, erfüllen ihre Aufgaben trotz geringerem Durchmesser aber in vollem Umfange.
Vorne sind kürzere, hinten lange Dämpfer vorgesehen. Der Grundkörper besteht aus einem Alu-Röhrchen, oben erfolgt der Verschluß durch eine Alukappe mit Volumenausgleich, das Dichtungspaket für die Kolbenstange wird ebenfalls in Form einer Alukappe mit den Dichtungen von unten eingeschraubt.
Doch Obacht: Zieht man diese zu stramm an, werden die beiden darin befindlichen O-Ringe so gestaucht, dass sich das Losbrechmoment des Dämpfers drastisch erhöht, was vermieden werden sollte.
Die schwarzen Federn weisen eine progressive Wicklung auf, die Federvorspannung wird durch beigefügte Clipse eingestellt. Die Befüllung erfolgte mit Silikonöl Cst. 350.

Fazit Montage

Soweit der Bericht über den Zusammenbau des Bergonzoni R-1. Das Fahrzeugkonzept erscheint unspektakulär, aber ausgereift. Auf unnötige Effekthascherei wird bewusst verzichtet.
Es handelt sich um eine reinrassige und zweckmäßige Rennmaschine. Um allerdings die Unzulänglichkeiten in der Passgenauigkeit und die damit verbundenen Nacharbeiten hinzunehmen, bedarf es seitens des Erwerbers schon eines ruhigen Gemüts und eines stabilen Charakters.
Bei einem Fahrzeug dieser Preisklasse sollte man sich für zukünftige Auslieferungen darüber Gedanken machen, denn nur wirklich zufriedene Kunden kommen wieder.

Die Ausstattung mit Motor, Resorohr sowie der notwendigen Elektronik ist nicht Gegenstand dieses Bauberichts. Darüber wird in einem gesonderten Artikel, welcher auch die Fahreigenschaften des R-1 näher beleuchten wird, informiert werden.

Bericht: „Axel Linther“
Fotos: Klaus-D. Nowack


(zum Bericht Praxis Teil 2)



Querschnitt Graupner Bergonzoni R-1

• Maßstab 1:8
• 4 WD Offroad-Buggy
• Baukasten für 3,5 cc Motor
• 3 Kegeldifferenziale
• Kardans vorne und hinten
• Pivot Ball Aufhängung vorne
• Öldruckdämpfer mit progressiver Federkennung.
• CNC gefrästes 3mm – Chassis aus 7075 Aluminium

Abmessungen
• Länge: 490 mm
• Breite: 302 mm
• Höhe: 182 mm
• Radstand: variabel, ca. 325 mm
• Bodenfreiheit 70 mm
• Gewicht: je nach Ausstattung, ca. 3400 Gramm
UPE: ca. 495,- Euro



Bildverzeichnis Graupner Bergonzoni R-1

Bild 2 und 3: Vom Aufbau unterscheidet sich der R-1
nicht grundlegend von anderen Buggys.
Bild 4: Die Aluplatte verfügt über voll versenkte Bohrungen.
Bild 5 und 6: Lange Schwingen stehen für lange Federwege.
Bild 7: Alle Rechts / Links-Gewinde haben ein Bohrung
zur Längenverstellung.
Bild 8: Der kräftige Servosaver ist stufenlos einstellbar.
Bild 9: Sehr viele stabile Aluteile sind im R1 verbaut.
Bild 10: Die Pivot Ball Aufhängung ist Verbrenner-typisch.
Bild 11: Auch die RC-Aufnahme ist aus stabilem Alu-Material.
Bild 12 und 13: Das Mitteldiff und die beiden Bremsen sind
in einer Einheit zusammengefasst.
Bild 14: Die Epoxy-Bremsscheiben werden durch
Stahlbeläge in die Zange genommen.
Bild 15: Recht ungeschützt wirkt die Halterung für den BEC-Akku.
Bild 16: Die RC-Box ist hingegen wassergeschützt.
Bild 17: Die Aluböcke kippen die Motorposition etwas zur
Fahrzeug-Mittelachse.
Bild 18: Beide Achsen werden gegen das Chassis abgestützt.
Bild 19 und 20: Mehrere Dämpferpositionen sind möglich.
Bild 21: Der Halter für die hinteren Schwingenstifte lässt
verschiedene Positionen zu.
Bild 22: Ungewöhnlich ist die zentrale Heckspoiler-Befestigung.
Bild 23: Beim Luftfilterset gibt es auch eine Regen-Abdeckung.
Bild 24 und 25: Bei der Kupplungskonstruktion ist man
ungewöhnliche Wege gegangen.
Bild 26: Tricolore: Endlich mal wieder etwas italienisches.






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