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 SMI Motorsport News 10.07.2018 
 
Rent a car Projekt
 
 
Wie kann man die Klasse VG10 stärken? Diese Frage hat man sich bei XRAY Germany gestellt, ausgelöst durch den andauernden Teilnehmerschwund der vergangenen Jahre. Waren um 2007 noch über 100 Starter zur Deutschen Meisterschaft Standard, sank die Teilnehmerzahl in den letzten Jahren auf 40. Die Gründe dafür sind vielfältig. In unserem Dachverband, dem DMC, hat man reagiert und die Klasse VG10 Sport geschaffen, Hier wird mit vorgeschriebenen preisgünstigen, haltbaren Einheitsmotoren und Auspuffsystemen gefahren, Eine gute Entscheidung, wie sich bisher gezeigt hat.

So wurde die Idee einer Art „Rent a car“ - System anzubieten, geboren. Zielpersonen sind nicht Interessierte, die schon in der Verbrenner-Glattbahn-Gemeinschaft zuhause sind. Es sollen Fahrer aus anderer RC-Car-Klassen angesprochen werden, die gerne mal in die VG-Szene ohne große Kosten reinschnuppern möchten. Der interessierte Fahrer bezahlt die verbrauchten Reifen und die Spritkosten und braucht nur seine Fernsteuerung, Empfänger und Transponder mitzubringen. Die technische Betreuung an der Rennstrecke sowie die Boxenmannschaft ist alles inclusive, denn es soll ja Spass machen.

Als Fahrzeug dient ein XRAY NT1 in Composite-Ausführung. Robust, fast unzerstörbar und immer noch schnell genug, um bei den Hobbyfahrern vorne mitzumischen.
Der erste Fahrer, den wir für unsere Idee begeistern konnte, war sogar eine „Sie“. Unserer 1/8 Offroadfahrerin Vanessa Wende war von dieser Idee begeistert, und es konnte ein Termin für alle Seiten passend gefunden werden. Es sollte der SK-Lauf in Kirchhain werden.
Die interessante Frage war, wie gut fährt jemand, der ins kalte Wasser geworfen wird und sich sofort im Wettbewerb ohne Erfahrung beweisen muss?


Am Samstagmorgen, das Fahrerlager war schon gefüllt und der Trainingsbetrieb in vollem Gange, trafen wir alle zusammen. Empfänger eingebaut, Fernsteuerung programmiert, Reifen montiert, Motor angelassen und aufgewärmt, und ab ging die Reise ins Ungewisse. Das kein getrenntes Training von VG8 und VG10 durchgeführt wurde, hat die Sache nicht vereinfacht. Zu Unterschiedlich sind die Kurvengeschwindigkeiten der beiden Klassen.
Und wie liefen die ersten Runden? Vanessa zögerte nicht und tat dass, was am meisten Spaß macht: Gas geben! Ein paar langsamere Runden, um die Streckenführung und das Fahrverhalten des NT1 kennenzulernen, und dann ließ sie die Kiste fliegen, manchmal auch im wörtlichen Sinne, aber das gehört in einer Lernphase mit dazu. 4 Tankfüllungen in einem Stück durchgefahren, kurze Pause gemacht, andere Reifen montiert, weiter ging es. Was mich persönlich begeistert hat, ihre Reaktion, das Auto abzufangen, wenn es übersteuert. Gegenlenken ohne vom Gas zu gehen, da hätten die meisten Fahrerkollegen was lernen können. Wieder 3 – 4 Tankfüllungen am Stück, dann ein härteres Differential in der Front montiert, um den Unterschied zu testen. Dann große Reifen, kleine Reifen, Vanessa sollte sich mit dem Unterschied vertraut machen. So ging der Vormittag und der Nachmittag wie im Fluge vorbei, und schon wurde zum ersten Vorlauf aufgerufen. 6 Fahrer hatten sich für VG10 Sport gemeldet, Samstag waren 3 Fahrer anwesend, die anderen kamen am Sonntag. 3 Aufwärmminuten für Fahrer(in) und Motor, dann ging es los, Startfreigabe. Vanessa konnte gleich die Führung übernehmen, aber dicht gefolgt von Karl-Friedrich Kaupert. Den Abstand, den Sie mit schnellen Runden herausfuhr, schrumpfte durch kleine Fahrfehler wieder zusammen, aber der Overnight-TQ schien sicher, Schien, denn in der letzten zu fahrenden Runde saugte der Motor den letzten Tropfen Sprit im Tank und stellte ab. Also hieß es für die restlichen Vorläufe Strategie ändern und bis zur Start-Ziel-Schleife, die kurz vor der Boxeneinfahrt liegt, mit möglichst wenig Gas hinrollen.
Nach dem ersten Vorlauf konnte noch trainiert werden, was Vanessa auch noch nutzte, um mehr Erfahrung mit dem Auto zu sammeln.

Sonntagfrüh, Punkt 9 Uhr, zweiter Vorlauf, alle 6 Fahrer anwesend. Vorbereitungszeit, Startfreigabe und ab die Post! Bis zur Zählschleife langsam, und dann Vollgas. Was man dann sah, war eine Einheit aus Mensch und Maschine. Klar schneller als alle Kollegen umrundete Vanessa die Bahn, Minute für Minute, überrundete die Kollege, und diesmal reichte der Sprit!
20 Runden in 5.01,466 mit einer persönlichen Rundenbestzeit von 14,383 sec. Das sollte dann auch die in dieser Klasse schnellste Rundenzeit des gesamten Rennens bleiben.
Aber wo Licht ist, ist irgendwo auch Schatten.
Dritter Vorlauf, Vorbereitungszeit. Das Auto will nicht in den ersten Gang zurückschalten, der Motor quält sich und es geht nichts vorwärts. Temperaturmessung zeigt 78 Grad, also erst mal magerer gedreht, Aufruf zum Start. Startfreigabe, eine Runde gefahren. Auto schleicht, Motor überhitzt, also anhalten und abstellen. Fehler war im Fahrerlager auch schnell gefunden, im Zweigang ist die Schaltnocke übergesprungen und hat die Backen auseinandergedrückt. Kann vorkommen bei benutzten Teilen, kein Problem, mit einer anderen Schaltungseinheit funktioniert alles wieder. 4. Vorlauf, alles im Plan, Vanessa ist wieder gut unterwegs. nach 4 Runden wird das Auto wieder langsamer, also Besuch in der Box. Der Heckriemen ist der Täter, hat sich einfach verabschiedet. Aber besser jetzt als wie nachher im Rennen. David Ranft fuhr jetzt 21 Runden in 5.13 Überzeit, also Startplatz 2 für Vanessa!


In der Mittagspause haben wir einen neuen Riemen eingebaut, Dämpfer geprüft, Akku nachgeladen und die Reifen für das Rennen auf Größe geschliffen. Taktikbesprechung, wir entscheiden uns dazu, bei 4.30 Minuten zu tanken, nur keinen leeren Tank riskieren.
Die VG10 Sport fuhr als erste Klasse ihr Rennen. Vorbereitungszeit, Auto läuft, alles entspannt. Aufruf zum Start, die Autos werden zum Startplatz getragen. 10,9,8,7,6, Kommando Autos absetzen. Die Flagge geht hoch, und die Autos gehen auf die Reise. Vanessa startet gut und klemmt sich hinter David. Die beiden machen in den ersten Runden ein Paarlauf und setzen sich sukzessive vom Rest des Feldes ab. David zieht ein paar Meter weg, Vanessa kommt wieder ran. So geht das die ersten paar Minuten. Dann ein kleinerer Fehler von Vanessa, das Auto hakt im Gras neben dem Innencurb in der Kurve zur Geraden ein. Nichts passiert, aber das waren jetzt 3 Sekunden Rückstand. Der erste Tank stopp, wie abgesprochen bei 4 Minuten 30, Vanessa kommt rein, hält prima vor mir an, nachtanken hinter dem Balken, absetzten und wieder raus. David, der 5 Minuten fahren wollte, kommt als Führender auch rein und spielt auf Nummer sicher, hätte ich auch so gemacht. So vergeht Tank stopp um Tank stopp. David vorne, Vanessa auf der zweiten Position. Durch die mangelnde Erfahrung in Unkenntnis des sich ändernden Fahrverhaltens des Autos im Rennen durch den Reifenabrieb schleichen sich immer wieder kleine Patzer, der Vorsprung von David wird so Größer und Größer, erst nur eine Runde, dann zwei, drei, vier, fünf. David macht aber auch nicht den kleinsten Fehler, fährt wie ein Uhrwerk. Aber von hinten droht keine Gefahr, vier Runden Vorsprung auf Karl-Friedrich, der Dritter ist. So kommen sie auch ins Ziel nach 30 langen Rennminuten. Große Freude bei David, Vanessa, Karl-Friedrich, aber auch bei mir. Nach gutem Beginn war das Rennen nicht mehr hyperspannend, aber wer Glattbahnrennen kennt, der weiß, das erst mit dem Fallen der Zielflagge die Entscheidung gefallen ist.


Auto gesäubert, Empfänger und Transponder wieder ausgebaut, den anderen Rennklassen bei deren Rennen noch zugeschaut, Siegerehrung und noch ein paar Fotos. Viel zu schnell ist das Rennwochenende vorübergegangen.

Das Fazit: Die Fahrerin hatte Spaß, wir hatten Spaß und ein Fahrer mehr in der Statistik der Gruppe Mitte. Alle Mühe hat sich gelohnt.

Für die anstehende Offroad-Euro wünschen wir Dir, Vanessa, alles Gute und hab Spaß! Wir drücken Dir die Daumen!

Die nächsten zwei Fahrer für das „Rent a car“ Projekt stehen schon bereit. Tobias Höflin und Daniel Schober, beides Sieger der XRAY-RACING-SERIES, werden beim SK-Lauf in Ettlingen aufschlagen. Die erste Testfahrt haben beide schon hinter sich.

Gruß Hartmut

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