 | Es handelt sich hierbei um einen Tamiya Avante, den legendären 4WD-Vorläufer der heutigen TRF-Modelle.
Das auf den Bildern gezeigte Modell war das Überbleibsel einer Restauration meines ersten Avante-Fahrzeuges. Dieses wurde komplett, unter Verwendung möglichst vieler Neuteile, restauriert.
Dadurch hatte ich genug Ersatzteile über, um ein zweites Modell aufzusetzen.
Dieses zweite Modell sollte aber nicht einfach nur ein fahrbarer Avante werden, sondern etwas Besonderes.
Da der Avante damals (und auch heute noch) sehr innovativ und rennorientiert ausgelegt war, diesem Anspruch aber leider aus dem Baukasten nicht nachkam, entschloß ich mich, alle bekannten Schwachstellen des Urmodells auszumerzen und zu verbessern.
Ohne es jedoch in einen "Egress" zu verwandeln, dadurch wäre der eigenständige Charakter des Fahrzeuges zerstört worden.
Konkret bedeutete dies, das Originalchassis beizubehalten. Da es aber im Bereich der Befestigungspunkte der hinteren oberen Längslenker gerne brach, wurden diese Punkte unter Verwendung von Teilen eines zweiten Chassis verstärkt.
Desweiteren tauschte ich die komplette Aufhängung aus, die aus vielen Einzelteilen bestehenden Quer- und Längslenker waren ein großer Schwachpunkt im Design des Avantes.
Hierbei griff ich auf bewährtes zurück, die mit dem Vanquish eingeführte Kunststoffausführung der entsprechenden Teile sollte diesen Punkt erfolgreich abhaken.
Was auch auf die Uprights zutraf, die aktualisierte (verstärkte) Version wurde anstelle der Originalteile verwendet.



Da die Dämpfer des Avantes einen zu geringen Durchmesser haben, um wirklich gut arbeiten zu können, tauschte ich sie gegen moderne Ausführungen aus.
Bei der Vorderachse achtete ich dabei darauf, daß das Chassis auch bündig mit den Dämpfern abschließt, wenn es Bodenkontakt bekommt. Der Originalentwurf verschenkt hier einige Millimeter.
Hinten wurde die Dämpferbrücke um einige Zentimeter angehoben, um den neuen Dämpfern genügend Spielraum zur Verfügung stellen zu können. Die Erhöhungen wurden, ähnlich der vorhergehenden Chassisversteifung, aus den Restteilen eines zweiten Chassis gefertigt.
In der Vergangenheit hatte ich gelegentlich Probleme mit der unteren Abdeckung des vorderen Differentials. Da der verwendete Kunststoff hier sehr hart ist, brachen bei entsprechender Kraftauftretung gerne mal die äußeren Rander der Abdeckung ab, besonders im Bereich der vier Schrauben, die den Deckel ans Getriebegehäuse fixieren. Hier fertigte ich mir eine Verstärkung aus Metall, die einfach über die Abdeckung gelegt und mit dieser verschraubt wird. Sehr simpel, aber effektiv!
Ein weiteren Punkt war die komplexe Lenkgeometrie des Avantes. Optisch schön, technisch leider mit viel Spiel behaftet und deshalb unpräzise, tauschte ich diese gegen die kugelgelagerte Version des Egress aus.
Da es aber durch den Austausch zu Passproblemen mit der Avante-Karosserie kam und mir auch die Anlenkung so nicht gefiel, modifizierte ich diese.
Die finale Lenkgeometrie ist eine Mischung aus Egress- und Avante-Teilen, wobei ich die letzteren mit Kugellagern versehen habe, um das beschriebene Spiel zu eliminieren.
Das Ergebnis ist eine Anlenkung, die sowohl präzise (einigermaßen) als auch optisch (schön kompliziert) dem Anspruch des Avantes gerecht wird.
Und satte 12 Kugellager in der Lenkung werden dem mehr als gerecht!
Die Dämpfer bekamen noch ein paar Shocksocks angezogen, farblich abgestimmt mit der Anodisierung.
Überhaupt, Farbgebung. Da ich gerne ein aktuelleres Farbschema gestalten wollte, mußte ein neues Bodyset her. Dieses fand ich in England, wenn auch nur als Replika. Das Originalset wäre zu selten und damit zu teuer gewesen.
Bei der Designfindung spielte ich mit der Linienführung der Karosserie, immer mit Bezug auf die vorhandene, markante Farbgebung der Dämpfer.
Parallel zur geänderten Lackierung überarbeitete ich die Originalaufkleber mittels Bildbearbeitung und druckte diese auf wetterfeste Vinylfolie aus. Das Ergebnis überraschte mich, die Qualität ist für selbstgestaltete Decals absolut ausreichend.
Als letzte Goodies bekam der Avante noch ein neues Triebwerk, einen Tamiya Super Stock BZ 23T. Nicht übermächtig, aber wer möchte die alte Dame denn auch hetzen?
Den Kraftschluss in Richtung Strecke übernehmen weiße 5-Speichen-Felgen, die sich mit den passenden Schrauben harmonisch ins Gesamtbild einfügen.
Leider mußte die schöne Fahrerfigur des Avantes zwecks Platzmangel weichen, aber sie wäre nur mit zahlreichen Modifikationen verwendbar gewesen.
Da dies aber schon "früher" so gemacht wurde, fand ich mich damit ab. Dafür wurde die Fahrerkanzel in Transparentorange lackiert, ein brauchbarer Kompromiss, denke ich.
Da steht er nun, der "ÜBERAvante". Fehlerbereinigt, "auf Stand gebracht", Ready to go. Ob ich ihn so gegen moderne Allradfahrzeuge hetzen würde? Theoretisch ja, praktisch... eher nicht.
Die ein oder andere "gemütliche" Runde darf er drehen, ansonsten bleibt er ein Theorem. Ein "was-hätte-sein-können-wenn-Tamiya-ihn-SO-auf-den-Markt-gebracht-hätte"-Experiment.
Immerhin, ein schön anzusehendes...



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