|   | | So werde ich schneller | |   | | Die Ideallinie | |   | | |   |
Diesmal geht es um die Ideallinie. Nachdem das Fahrzeug in einem technisch einwandfreien Zustand ist, wollen wir Ihnen zeigen, worum es sich bei der Ideallinie handelt. Zusätzlich wollen wir Ihnen beweisen, dass die Ideallinie für jedes Modell und jeden Fahrstil variieren kann. Die Geschwindigkeiten eines rc-cars in den einzelnen Passagen hängen sehr stark von der richtigen Ideallinie ab und damit natürlich auch die Rundenzeiten...
Über die Ideallinie wurde und wird oft an Rennstrecken diskutiert. Was versteht man eigentlich darunter? Unter Ideallinie versteht man eben nicht die kürzeste Verbindung auf der Strecke, sondern die Fahrlinie, auf der das Auto die geringste Rundenzeit erreicht. Und dies kann je nach Fahrer und Auto unterschiedlich sein.

Grundsätzlich besteht eine Rennstrecke aus Kurven oder Kurvenfolgen, die durch unterschiedlich lange Geraden verbunden sind. Das Fahrzeug sollte möglichst in Kurven an seiner maximalen Kurvengeschwindigkeit bewegt werden. Eine höhere Geschwindigkeit bedeutet schließlich nach Funktion A (Formel ganz unten), dass eine Strecke in kürzerer Zeit durchfahren werden kann. Da eine kurze Rundenzeit unser Ziel ist, ist es also wichtig so schnell wie möglich zu fahren.
Zur Vereinfachung haben wir einmal ausgerechnet, wie schnell heutzutage ein rc-car in Kurven fahren kann. Nimmt man an, dass Fahrwerk und Reifen optimal abgestimmt sind und der Reifen Querbeschleunigungen von 1g aufnimmt, so vereinfachen sich die Funktionen zur Bestimmung der maximalen Kurvengeschwindigkeit deutlich. Dann ergibt sich nämlich, dass die maximal mögliche Kurvengeschwindigkeit ausschließlich vom gefahrenen Kurvenradius abhängt (siehe Funktion B 7 Formel ganz unten). In einem Beispiel haben wir Ihnen die maximal mögliche Kurvengeschwindigkeit für eine 90° Kurve mit 2m Innenradius und 2m Fahrbahnbreite berechnet - erstaunlich der Geschwindigkeitsunterschied.
Gerade-Kurve-Gerade
Für eine einfache Kurve, die zwischen zwei Geraden liegt, ist es wichtig diese Außen anzufahren, am Einlenkpunkt einzulenken, den Scheitelpunkt innen zu treffen und am Auslenkpunkt wieder auf der äußeren Fahrbahnseite zu sein. Der Volksmund nennt dies „Schneiden“ - wir sprechen von Ideallinie, die wir allerdings noch weiter optimieren können.
Versuchsweise sollten wir eine solche Kurve nicht mit einem konstanten Radius durchfahren, sondern etwas später einlenken, etwas später den Scheitelpunkt wählen und auch später den Auslenkpunkt. Dadurch fährt man einen sich öffnenden Kurvenradius. Die Vorteile sind späteres Bremsen und die Möglichkeit deutlich früher auf die nächste Gerade zu beschleunigen. Jedes km/h, welches man durch das frühere Herausbeschleunigen gewinnt, nimmt man auf die nächste Gerade mit und dies meistens über die gesamte Gerade, da sie im rc-car Bereich recht kurz sind.
Auf der Geraden kann man deshalb seine Zeit ebenfalls, durch eine geschickte Linie in der davor liegenden Kurve, verkürzen und mögliche Gegner leichter Überholen. Diese Fahrweise hat in der entsprechenden Kurve den Vorteil, dass man zusätzlich sicherer durch die Kurve fahren kann, da die Linie im ersten Teil auf eine leicht niedrigere Geschwindigkeit ausgelegt ist.
Kurvenfolgen
In Kurvenfolgen ist es schwieriger eine gute Linie zu finden. Wichtig ist, dass die Linie für die gesamte Kombination paßt und nicht eine schnelle Fahrt im ersten Teil ermöglicht, im zweiten Teil der Passage jedoch zu Problemen führt. Deshalb findet man die Ideallinie in Kurvenpassagen rückwärts. Die letzte Kurve auf die darauffolgende Gerade muß in möglichst hoher Geschwindigkeit durchfahren werden können, der Rest davor so, dass man flüssig die Passage durchfährt.
Oftmals hilft es von Passagen eine Skizze anzufertigen, in der man sich seine Ideallinie einzeichnet. Hier kann man auch probieren, was passiert, wenn man seine Linie auf ein möglichst schnelles Durchfahren der ersten Kurve auslegt. Dann paßt die Linie in den letzten Kurven nicht mehr und macht das Auto durch zu enge Kurvenradien genau dort langsam, wo man normalerweise Schwung für die nächste Gerade holt. In leichten Wechselkurven kann man eine möglichst gerade Linie wählen, wobei man so wenig, wie möglich lenken sollte.
Steigerung der Geschwindigkeit
Aus den obigen Informationen wird ersichtlich, warum schnelle Fahrer schnell sind und warum sie fast jeden Zentimeter der Strecke ausnutzen. Diese Fahrweise benötigt allerdings etwas Übung und vor allem Selbstdisziplin. Fahrer, die planlos ein Rennen bestreiten und irgendwie immer ein bißchen schneller fahren möchten als die Gegner, schießen deshalb meistens über das Ziel hinaus. Die Fahrweise und die Linie sehen dann meistens etwas abgehackt aus. Der Hauptgrund dafür ist in mangelnder Kenntnis der Linie zu suchen.
Bevor man auf Zeitenjagd geht, sollte man sich zunächst den Streckenverlauf einprägen. Anhand des Verlaufs und unserer Tips, sollte man sich seine Linie zurechtlegen und sich Einlenkpunkte, Scheitelpunkte und Auslenkpunkte merken. Als Hilfsmittel wählt man z.B. Flecken im Asphalt, Randsteine oder Farbmarkierungen usw.. Für diese Tätigkeit reicht es sogar aus, wenn man sich auf den Fahrerstand stellt und die Strecke mit einem „virtuellen“ rc-car im Geist abfährt. Besichtigungen der Kurven am Boden sind ebenfalls hilfreich, da vom Fahrerstand aus die Sicht verzerrt ist.
Weitere Aufschlüsse erhält man beim Betrachten von Kurven aus nächster Nähe. Hier sollte man sich die Eigenheiten merken, z.B. Bodenwellen, glatte Stellen oder Fahrbahnneigungen. Mit dem Fahren der rc-cars beginnt man nun genau auf der zuvor eingeprägten Linie, die man sicher nach einigen Runden hält. Die Geschwindigkeit steigert man ganz allmählich von Runde zu Runde, bis das Fahrzeug tatsächlich am Limit auf der Linie bewegt wird. Verläßt man die Linie, reduziert man sofort sein Tempo und fährt wieder auf die eigene Linie zurück.
Auf diese Weise produziert man kaum Unfälle und steigert sein Tempo an einen Maximalwert, den Modell und eigene Linie hergeben. Ist nun ein Wettbewerber schneller und fährt dabei eine andere Linie, so sollte man ebenfalls diese Linie probieren und dadurch herausfinden, ob sie tatsächlich schneller ist oder nur das Auto des Wettbewerber.
Stichpunkte für die Rennstrecke
1) Funktion A: Eine möglichst hohe Geschwindigkeit ist unser Ziel, da daraus eine niedrige Rundenzeit folgt:
v = Geschwindigkeit
s = Weg
t = Zeit
2) Funktion B: Die Kurvengeschwindigkeit hängt vom Radius ab. Ein größerer Kurvenradius bedeutet eine höhere, maximale Kurvengeschwindigkeit. Unser Radius in Kurven sollte daher so groß wie möglich gewählt werden. Vereinfacht für griffige Reifen und trockene Fahrbahn folgt:

3) Das Einprägen der Streckenführung erfolgt
vom Fahrerstand und von der Strecke aus ohne rc-car.
4) Das Suchen der Ideallinie erfolgt vom Fahrerstand und von der Strecke aus - ebenfalls ohne rc-car. Dabei müssen Orientierungspunkte gefunden werden. Wo möchte ich einlenken, auslenken? Wo liegen Scheitelpunkte? Welche Besonderheiten birgt die Strecke (Bodenwellen, Steilkurven).
5) Schnell wird man nur, wenn man strikt nach folgender Reihenfolge vorgeht: Streckenkenntnis, Linienwahl und erst dann die Geschwindigkeit steigern. Fehlen Streckenkenntnis und Linienwahl ist es eher Zufall, ob eine Runde glückt. Schlechte Zeiten und Unfälle sind vorprogrammiert.
6) Tipps zum Finden der Ideallinie berücksichtigen und z.B. Kurvenpassagen von der letzten Kurve rückwärts bewerten.
7) Man befährt die Strecke ausschließlich auf seiner gedachten Ideallinie und steigert langsam seine Geschwindigkeit. Kommt man von der Linie ab, reduziert man sein Tempo und fährt sofort wieder auf die Linie.
8) Ist ein Gegner im Wettbewerb auf einer anderen Linie schneller, so probiert man ebenfalls diese Linie. Hier hilft schon das Beobachten von schnellen Fahrern in anderen Vorlaufgruppen. Beim Herausbeschleunigen liegt es oft am früheren Gas geben, wenn ein vorausfahrendes Fahrzeug Abstand gewinnt.
Wir wünschen Ihnen abschließend viel Erfolg bei Ihrem nächsten Rennen... auf Ihrer Ideallinie. |
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